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Freshfields veröffentlicht Studie – Whistleblowing-Nutzung hat weltweit abgenommen

Die internationale Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer hat zum dritten Mal nach 2014 und 2017 eine Umfrage zum Whistleblowing durchgeführt – mit überraschenden Erkenntnissen und Ergebnissen. Die aggregierten Umfrageergebnisse für 2020 zeigen einige auffällige Trends für Organisationen und Firmen, die sich um eine Stärkung ihrer internen Rede- und Fehlerkorrektur-Kultur bemühen. Denn grundsätzlich stellten die Befragten fest, dass das Melden von internen Missständen mittels Whistleblowing in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist – in diesem Jahr auch beeinflusst durch die COVID-19-Pandemie. Aktuell gaben noch rund ein Drittel der Befragten an, in Whistleblowing involviert gewesen zu sein – entweder als Hinweisgeber, Kollege oder Vorgesetzter (2017: ca. 40 Prozent). Dabei ist nicht nur die Zahl der Hinweisgeber gesunken, sondern auch die Zuversicht und das Vertrauen, dass das (obere) Management grundsätzlich das Melden von Missständen befürwortet und dazu ermutigt. 
 
Für die diesjährige Studie hat Freshfields mehr als 2.500 Personen aus 13 Branchen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong und den USA befragt, um ihre Einstellungen und Erfahrungen zu bewerten und herauszufinden, wie sich diese seit der letzten Umfrage im Jahr 2017 verändert haben. 
 
Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern: So sind beispielsweise in Hongkong rund 48 Prozent der Befragten mit Whistleblowing in Berührung gekommen, während es in den USA nur 18 Prozent sind. Eine weitere allgemein gültige Erkenntnis ist, dass die Zahl derer zugenommen hat, die Missstände sofort bei Behörden oder Medien melden als direkt bei ihrem Arbeitgeber. Das verwundert nicht, wenn man den offensichtlichen Rückgang des Vertrauens innerhalb von Organisationen berücksichtigt. 
 
Die wichtigsten Ergebnisse für Deutschland:
69 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass es wichtig ist, die Identität des Whistleblowers zu kennen. 
Im internationalen Vergleich zeigt dies ein großes Misstrauen gegenüber anonymem Whistleblowing – im internationalen Durchschnitt halten es nur 50 Prozent der Befragten für wichtig, die Identität des Hinweisgebers zu kennen.
Nur 31 Prozent geben an, dass es in ihrem Unternehmen ein Whistleblowing-System gibt und jeder Mitarbeiter weiß, wie Missstände zu melden sind (in Großbritannien ca. 54 Prozent). Dies dürfte nicht nur daran liegen, dass Whistleblowing-Systeme in Deutschland noch weniger verbreitet sind als im anglo-amerikanischen Ausland, sondern auch an einer größeren Skepsis gegenüber Whistleblowing.
 
Boris Dzida, globaler Leiter der Praxisgruppe People&Reward (Arbeitsrecht) kommentierte: „Die diesjährige Umfrage fiel in einen Zeitraum, in dem infolge der globalen Pandemie große Teile der Belegschaft außerhalb des klassischen Büros arbeiteten. Daraus resultieren neue Trends für Whistleblowing, da sich weltweit Belegschaften an ein erheblich verändertes Arbeitsumfeld gewöhnen. Wir haben festgestellt, dass mehr als ein Fünftel (23 Prozent) der Befragten der Ansicht sind, dass die Verfahren zur Meldung von Missständen aufgrund von COVID-19 aktualisiert werden sollten. Für Unternehmen entstehen daraus neue Herausforderungen, denn eine aktive und vom Management geförderte Speak-up-Kultur kann maßgeblich zum Erkennen und Managen von Risiken für das Unternehmen beitragen.“
 
Martina de Lind van Wijngaarden, Partnerin im Bereich Konfliktlösung, ergänzte: „Da der deutsche Gesetzgeber bis Ende nächsten Jahres die EU-Whistleblowing-Richtlinie in deutsches Recht umsetzen muss, ist zu erwarten, dass viele deutsche Unternehmen, die noch kein Hinweisgeber-System haben, solche etablieren werden. Es bleibt abzuwarten, ob dies auch zu einer größeren Akzeptanz von Whistleblowing-Tools und einer steigenden Zahl an Meldungen durch deutsche Arbeitnehmer führt.“
 

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